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Mart im Info-Dschungel

Musikverwertung aus Sicht eines Creative Commons Musikers

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Ich möchte hier mal aus der Sicht eines Nicht-GEMA-Musikers beschreiben, was mich (und eigentlich so ziemlich alle Mala Hierbas) davon abhält bei der GEMA Mitglied zu werden, obwohl wir dadurch durchaus Möglichkeiten hätten Geld zu verdienen.

Vorneweg möchte ich sofort anmerken, dass ich hier weder sinnloses “GEMA-Bashing” betreiben möchte, noch die Abschaffung des Urheberrechts fordern möchte (Die genaue Umsetzung ist nochmal ein ganz anderes Thema). Ich finde, dass jeder Urheber selbst wählen können soll, was mit seiner Musik gemacht wird und gemacht werden darf. Wir (Mala Hierba Leute) würden z.B. für die allermeisten unserer Werke gerne eine freie Lizenz verwenden. Das kann z.B. eine Creative Commons Namensnennungslizenz, oder eine CC-Lizenz, die kommerzielle Nutzung untersagt, sein. Es könnte auch Eine Creative Commons Zero Lizenz sein, mit der wir die Musik völlig bedingungslos in die Freiheit entlassen könnten (Das Urheberrecht behält man meines Wissens in Deutschland aber immer!). Andere Werke würde ich aber im Einzelfall auch gerne für die Nutzung in einem Film, TV, Webvideo oder sonstwas über eine Verwertungsgesellschaft abrechnen lassen, da dies in der “Medienlandschaft” oft garnicht anders geht.

Die GEMA ist übrigens so eine Verwertungsgesellschaft (keine staatliche Einrichtung, trotzdem für Musik die einzige in Deutschland), die u.A. dafür sorgen soll, dass ihre Mitglieder gerecht für ihre Musik entlohnt werden sollen. Eigentlich aus Musiker-Sicht doch super, oder ?

Leider ist die GEMA aus meiner Sicht aber in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hängen geblieben und aus der eigentlich guten Idee ist meiner Meinung nach nur für bestimmte Musiker etwas positives übrig geblieben, für den möglicherweise wesentlich größeren Teil eher ein absolut nicht zufrieden stellendes System geworden.

In den letzten Wochen wurde auf der Kölner Konferenz SIGINT die Gründung der “Cultural Commons Collecting Society” angekündigt, die in Zukunft als Verwertungsgesellschaft als Alternative zur GEMA auftreten möchte. Die C3S möchte für verschiedene Werke auch verschiedene Lizenzen, bzw. Abrechnungsmodelle zulassen. Eine Zusammenfassung über das Vorhaben kann man z.B. auf Heise Online nachlesen. Ich hoffe sehr, dass aus dieser Idee etwas wird!

Es gibt nämlich einige Gründe, die für uns Mala Hierbas gegen eine GEMA-Mitgliedschaft sprechen. Ich kann aber nur für mich selbst sprechen. Zum einen ist da die, von uns so empfundene, Bevormundung durch die GEMA, die uns, wenn wir Mitglieder wären, z.B. nicht selber entscheiden lassen würde, welche Lieder wir uns durch die GEMA vergüten lassen wollten und welche nicht, da wir diese z.B. als Creative-Commons Musik frei auf unseren Webseiten oder Jamendo o.Ä. verbreiten wollen würden (Das es auch anders geht beweisen andere Verwertungsgesellschaften z.B. in Frankreich und den Niederlanden).

Ihr kennt sicher auch das “Problem”, dass auf Youtube viele Lieder in Deutschland nicht verfügbar sind, was für mich vereinfacht gesagt daran zu liegen scheint, dass Youtube nicht bereit zu sein scheint, die Lizenzforderungen, in der von der Gema geforderten Höhe, zu zahlen. Das ist für den “Konsumenten” ärgerlich, aber erstmal völlig richtig. Natürlich versucht die GEMA für ihre Mitglieder möglichst viel rauszuschlagen.  Blöd nur, dass ein Musiker oder eine Plattenfirma hier keine “Opt-Out-Möglichkeit” hat, also eine Methode mit der man selber auswählen kann, welche Werke man gegenüber Youtube durch die GEMA vertreten lassen möchte. Mit dieser Situation sind auch viele GEMA-Musiker und Plattenfirmen sehr unzufrieden.

Für mich als Veranstalter ist es auch immer wieder ein Ärgernis, dass ich für Veranstaltungen GEMA-Gebühren zahlen soll, bei der garkeine GEMA-Musik gespielt wird. Theoretisch wäre es wohl möglich das irgendwie nachzuweisen, aber das ist dermaßen unpraktikabel, dass man lieber GEMA-Gebühren zahlt (die übrigens in vielen Fällen mal wieder erhöht werden sollen).

Ein weiteres, recht komplexes Thema sind die Internen Abrechnungsverfahren der GEMA, die für mich als Aussenstehenden wirklich undurchsichtig und auch ziemlich unfair wirken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstehe, aber genau diese empfundene Undurchsichtigkeit würde mich von einer GEMA-Mitgliedschaft abhalten.

Verschiedene Quellen(z.B. ein Text der offenbar von OLE SEELENMEYER stammt, gefunden dank Fefes Blog) deuten darauf hin, dass insbesondere Musiker, die Ihre eigene Musik live aufführen, kaum etwas von einer GEMA-Mitgliedschaft haben außer Aufwand. Sie bekommen von den GEMA-Einnahmen relativ wenig heraus. Musiker, die Rechte an Musik haben, diese aber nicht selbst aufführen, können unter bestimmten Voraussetzungen, bei öffentlicher Aufführung ihrer Musik, scheinbar ziemlich extreme Einnahmen erziehlen, die die Einnahmen der GEMA für die eigentliche Aufführung der Musik (z.B. durch einen DJ), oder im Extremfall der ganzen Veranstaltung, um ein Vielfaches übersteigen.

Auf Deutsch würde das bedeuten, dass Musiker, die nur produzieren (z.B. Leute, die einfache Tonfolgen für Ballermannlieder erstellen) einen unglaublichen Gewinn erzielen und zwar auf Kosten der GEMA-Musiker, die ihre eigene Musik spielen, und hier gerade auch die unbekannteren Bands, die kaum von ihrer Musik leben können. Wie das im Detail funtionieren soll (anscheinend), kann man hier nachlesen.

Wenn das alles so stimmt, dann frage ich mich als Musiker doch, warum überhaupt noch ein normalsterblicher Musiker (also einer von den bestimmt über 99% nicht Chart-erfolgreichen Musikern) da mitmacht. Vielleicht weil alle Danken, dass sie ja was ganz besonderes sind und schon irgendwann ganz groß rauskommen. Oder sie spekulieren drauf, dass ihre Werke die nächsten 50-60 Jahre immer wieder mal Lizenzgebühren einspielen. Musiker sprechen da gerne von einer Art Rente. Ja, das mag für manche Musiker durchaus zutreffen.

Ich persönlich finde diesen Ansatz schon immer komplett seltsam. Warum zum Kuckuck soll eigentlich SÄMTLICHE Musik eine kommerzielle Ware sein. Nicht nur eine Teilmenge sondern alle Musik ? Kinderlied genau wie Charterfolg, vom Sauflied bis zur Lagerfeuer-Mucke ?

Klar kann Musik kommerzielle Ware sein. Da hat wohl kaum jemand etwas dagegen. Man kann ja z.B. auch mit Creative Commons Musik Geld verdienen. Egal, ob per GEMA oder CC, musikalischer Kommerz ist voll O.K.

Natürlich kann ich Musiker verstehen, die mit der Musik Geld verdienen wollen und Musik zu ihrem Beruf machen. Schließlich braucht man auch richtig viel Zeit um gute Musik entstehen zu lassen. Da ist ein Job nebenbei wirklich extrem hinderlich, das kenne ich gut. Also wählen viele den Weg, die Musik zum Beruf zu machen. Das verstehe und respektiere ich total. Wenn jemand seine Musik zum Beruf macht und sich damit einen Traum erfüllt ist das doch klasse. Nichts dagegen einzuwenden.

Warum aber soll das im Umkehrschluss bedeuten, dass alle Musiker diesen Weg wählen müssen ? Nein, die GEMA schreibt niemandem vor Mitglied werden zu müssen. Das kann jeder Musiker frei entscheiden. In Deutschland (und nicht nur hier) ist aber alles darauf  ausgerichtet, dass man eben nur durch eine solche Mitgliedschaft wirklich Chancen hat in der Öffentlichkeit als Musiker vorzukommen. Das wiederum liegt aber nicht nur an der GEMA, sondern besonders auch an Radio- und TV-Sendern, sowie den Musik-Magazinen und Webseiten und nicht zuletzt auch vom Musik-Konsumenten, die allesamt bei Musik eigentlich nur an kommerzielle (und damit meistens GEMA-) Musik denken. Nein, ich schreibe absichtlich nicht Musik-Hörer, sondern Konsument, denn die meisten Leute machen sich selbst eben mehr zum Konsumenten, denn zum Hörer , indem sie diesen ganzen Mist auch noch mitmachen. Für viele kann Musik nur aus iTunes kommen. Fragt euch mal selbst ob ihr manchmal die riesigen Archive mit freier Musik im Internet durchstöbert oder euch lieber drauf verlasst, dass Magazine und TV-Sender etc. schon wissen werden was euch so gefallen könnte. Klar, ist auf Jamendo und co. auch viel Mist dabei, aber das ist bei der kommerziellen Musik doch genauso. Nur wer eine Weile stöbert findet “seinen Sound”.

Aber warum selber stöbern wenn andere Leute uns schon sagen werden, welche unsere Musik zu sein hat…

 

Anmerkung: Falls jemand grobe Fehler oder Denkfehler findet, oder Probleme mit meinen Sichtweisen hat, kann man gerne mit mir Kontakt aufnehmen!

 

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